Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“

Pressemitteilung der Bezirksregierung Münster

Regierungspräsidentin Dorothee Feller übergibt acht Förderbescheide aus dem Programm „Klimaresiliente Region

Regierungspräsidentin Dorothee Feller übergibt acht Förderbescheide aus dem Programm „Klimaresiliente Region © Klaus Baumers/EGLV

21.09.2020
Acht Förderbescheide

Münster/Recklinghausen/Gelsenkirchen/Datteln/Castrop-Rauxel/Bottrop. Um befestigte Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln, Hitzeinseln zu vermeiden oder den Verdunstungsgrad in der Emscher-Lippe-Region zu erhöhen, gibt es jetzt Förderungen vom Land. Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat heute (21.09.) acht Förderbescheide in Höhe von rund 530.000 Euro an den Vorstandsvorsitzenden der Emschergenossenschaft Prof. Dr. Uli Paetzel übergeben. Mit dem Geld werden Maßnahmen aus dem Programm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ unterstützt.

„Ich freue mich, Ihnen heute die ersten Förderbescheide für den Regierungsbezirk Münster aus dem Programm „Klimaresiliente Region“ zu überreichen. Damit fällt der Startschuss, die Emscher-Lippe-Region gegenüber Starkregen und Hitzeperioden robuster aufzustellen und den Klimaschutz voranzubringen,“ sagt Regierungspräsidentin Dorothee Feller bei der Übergabe der Bescheide.

„Im Fokus unseres Projektes ‚Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft‘ stehen Maßnahmen, die alle dem Ziel dienen, bis 2040 mindestens 25 Prozent der befestigten Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln und den Verdunstungsgrad bis 2040 um zehn Prozent in der Region zu erhöhen“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. „Wir setzen damit fort, was wir bereits seit 2004 erfolgreich mit Kooperationen mit dem Land NRW und den Kommunen begonnen haben.

Das Programm „Klimaresiliente Region“ wurde bei der Ruhrkonferenz ausgewählt und ist eine Weiterentwicklung des Programms „Wasser in der Stadt von morgen“, das zurückgeht auf eine gemeinsame Absichtserklärung der Emschergenossenschaft, der Emscher-Kommunen und des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutzes des Landes Nordrhein-Westfalen. Das gemeinsame Ziel: Eine integrale Planung und Umsetzung von Projekten zur Niederschlagswasserversickerung und die direkte Ableitung von Niederschlagswasser über Gräben in Gewässer zu fördern. Damit soll zum einen die Grundwasserneubildung erhöht und zum anderen die vorhandenen Mischwasserkanäle hydraulisch entlastet werden, in dem das Niederschlagswasser herausgenommen wird.

Neu an dem Programm „Klimaresiliente Region“ ist jetzt, dass der Fördertopf größer ist und die Förderkulisse fachlich und regional auf die gesamte RVR-Region erweitert wurde: Neben weiteren Wasserverbänden sind nun auch alle Ruhrgebiets-Kommunen eingebunden. Thematisch rückt die Anpassung an den Klimawandel stärker in den Fokus. Der Umgang mit dem Regenwasser in der Stadt wird neu in den Blick genommen. Während bisher Regenwasser möglichst schnell aus der Stadt abgeleitet wurde, ohne, dass es einen Schaden anrichten konnte, will man zukünftig das Regenwasser nutzen, um es zur Verbesserung des Stadtklimas einzusetzen. Um die Versickerungsrate zu erhöhen, werden Flächen entsiegelt oder Zwischenspeicher eingesetzt, die es ermöglichen, in längeren Trockenphase auf das Wasser zurückzugreifen.

Das Wasser könnte dann für Beregnungszwecke öffentlicher Grünflächen oder der Versorgung von städtischen Bäumen eingesetzt werden, das wiederum hätte positive Auswirkungen auf das Stadtklima.

Rund 22.000 Euro für das Klimaresiliente Grullbad in Recklinghausen Der Stadtteil Grullbad im Süden Recklinghausens und hier insbesondere das Umfeld des „Bahnhof Süd“ weist sowohl gewerbliche als auch Wohn- Misch-Nutzungen auf. Die Stadt Recklinghausen lässt daher für das Umfeld Bahnhof Recklinghausen Süd und das Plangebiet im Stadtteil Grullbad mit einer Fläche von rund 110 Hektar einen städtebaulichen Rahmenplan erarbeiten. Hierbei sollen ergänzend die Themen Klimaresilienz sowie wassersensible Stadtgestaltung betrachtet werden. Im Rahmen der Untersuchungen soll ermittelt werden, welches Potenzial es zur Anpassung an den Klimawandelt gibt, beispielsweise die Reduzierung von Abflussspitzen in der Kanalisation sowie zur Steigerung der Verdunstung.

Rund 24.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Abkopplung von Flächen am Dattelner Mühlenbach Der Dattelner Mühlenbach und seine Nebenläufe wurden durch den Bau der von Abwasserkanäle von Schmutzwassereinleitungen befreit. Lediglich an einzelnen bachnahen Grundstücken sind die Entflechtungsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen. Vor Beginn der sich nun anschließenden Gewässerumgestaltung zur ökologischen Verbesserung soll überprüft werden, inwieweit Dach- und Hofflächen von an die Gewässer grenzenden privaten Grundstücken sowie kommunale Straßenflächen von der Mischwasserkanalisation abgekoppelt und die vorbehandelten Abflüsse direkt in das Gewässer eingeleitet werden können.

Rund 22.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie in Castrop-Rauxel . In der Stadt Castrop-Rauxel besteht im Bereich der Straßen Unterspredey und In der Recke im Ortsteil Schwerin Potenzial zur Abkopplung von Wohnbau- und Verkehrsflächen sowie zur Entflechtung des Gewässers mit Anbindung an den Landwehrbach.

Die Verkehrsflächen der Straßen Unterspredey und In der Recke weisen ein hohes Gefälle in Richtung des gemeinsamen Kreuzungsbereichs und somit auch in Richtung des Landwehrbachs auf. Während kleinere Niederschlagsmengen von den vorhandenen Sinkkästen im unteren Straßenbereich aufgenommen werden können, werden größere Wassermengen zum Teil nicht vollständig im Straßenkörper gefasst und fließen dem Gefälle folgend auch über angrenzende, private Grundstücke ab.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll nun untersucht werden, auf welche Weise das Niederschlagswasser gezielt und unschädlich abgeleitet und anschließend in den Landwehrbach eingeleitet werden kann. Zudem soll das Abkopplungspotenzial von privaten, an die Straßen angrenzenden Gebäuden ermittelt und in die Untersuchung einbezogen werden.

Rund 96.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Dachbegrünung an kommunalen Objekten in Gelsenkirchen Die Stadt Gelsenkirchen möchte die Hitzebelastung in urbanen Gebieten reduzieren. Dazu sollen die Dächer geeigneter kommunaler Gebäude begrünt werden, um über die Verdunstung des in der Speicherschicht zurückgehaltenen Niederschlags Temperaturspitzen zu puffern und nächtliche Abkühlungseffekte zu stärken.

Nicht alle Dächer sind für eine nachträgliche Begrünung geeignet. In einer Machbarkeitsstudie sollen deshalb zunächst die Dächer in hitzebelasteten Regionen mit einer maximalen Dachneigung von 15 Grad bezüglich ihrer Eignung untersucht werden. Die genannten Prüfungen umfassen 34 Liegenschaften mit einer zu untersuchenden Gesamt-Dachfläche von rund 73.000 Quadratmetern. Mit den Ergebnissen der Studie kann dann in den Folgejahren eine sukzessive Maßnahmenumsetzung erfolgen.

Rund 46.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie für den Zukunftsgarten Nordsternpark plus in Gelsenkirchen Das ehemalige Schachtgelände Nordstern in Gelsenkirchen wurde 1977 zur Bundesgartenschau umgestaltet. Die Parkflächen werden seither von der Bevölkerung für vielfältige Erholungsnutzungen besucht. Die notwendigen Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen für diese Nutzungen schließen auch eine Bewässerung in Trockenzeiten mit ein. Im Rahmen der IGA 2027 im Ausstellungsjahr 2027 wird der rund 28 Hektar große Inselbereich zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal Teil der Ausstellungsflächen des Bezahlstandortes „Zukunftsgarten Nordsternpark plus“ sein. An diesem Standort soll im Rahmen der IGA 2027 exemplarisch verdeutlicht werden, auf welche Art und Weise die Ent- und Bewässerung verschiedener Flächen und Begrünungsformen unter dem Gedanken der Klimafolgenanpassung und Nachhaltigkeit geschehen kann.

Hierzu soll innerhalb einer vorlaufenden Machbarkeitsstudie unterschiedliche Bausteine untersucht werden. Zum Beispiel, ob der Kohlenbunker zu einem Besucherzentrum mit Gastronomie ausgebaut und die Fassaden begrünt werden können.

Rund 120.000 Euro für die ökologische Verbesserung des Erlbruchteichs sowie den Umbau des Konrad-Adenauer-Parkplatzes in Recklinghausen Im Vorgriff auf die Hellbachrenaturierung hat die Stadtentwässerung im Bereich des Erlbruchs bereits mehrere Regenwasserabkopplungsmaß-nahmen im Bestand vorbereitet. Dazu zählen das Stadthaus A, das Rathaus und das gesamte Wohngebiet „Paulusanger“. Hier ist die Entwässerung auf den einzelnen Grundstücken bereits entflochten. In Ermangelung eines weiterführenden Trennsystem wird das vom Schmutzwasser getrennte Regenwasser derzeit allerdings immer noch in die Mischwasserkanalisation eingeleitet. Im nächsten Schritt sollen diese Teilabkopplungen über einen neu zu errichtenden Regenwasserkanal zum Hellbach weitergeführt werden. Die Teichanlage im Erlbruchpark befindet sich in einem Tiefpunkt des Parks und soll in diesem System zu einer zentralen Regenrückhaltung ausgebaut werden.

Der Hellbach wurde zwischenzeitlich durch die Emschergenossenschaft ökologisch verbessert und ist heute abwasserfrei. Dadurch sind die Voraussetzungen für eine durchgehend getrennte Bewirtschaftung von Schmutz-und Regenwasser geschaffen.

Rund 136.000 Euro für den Südpark in Recklinghausen Die Emschergenossenschaft erhält eine Förderung in Höhe von 135.605 Euro für die Regenwasserabkopplung des Südparks und die ökologische Verbesserung des Südparkteiches in Recklinghausen. Der Südparkteich wurde Anfang der 1990er Jahre als gestalterisches Element im Südpark installiert. Mit dem Teichaushub wurden mehrere flache Hügel und Wälle im Park modelliert. Zur Abdichtung gegen den Untergrund wurde der Teich in Teilbereichen mit einer Folie ausgekleidet. Bedingt durch Undichtigkeiten in der Folie, korrespondiert der Wasserstand heute mit dem umgebenden Grundwasser und schwankt erheblich. Der Teich besitzt keine weitere Wasserzufuhr aus dem Umfeld und keine Wasserzirkulation. Dadurch besteht in der meisten Zeit des Jahres Wassermangel, es kommt zu Sauerstoffmangel und Faulprozessen. Insgesamt wird hierdurch die Gewässerbiologie, aufgrund der Geruchsbelästigung aber auch die Aufenthaltsqualität im Park beeinträchtigt. Planungen zur Überarbeitung des Teichs und seiner Umgebung haben zum Ziel, die Defizite des Teichs zu beheben, die Aufenthaltsqualität zu steigern und eine deutliche Verbesserung der Ökologie zu bewirken. Um darüber hinaus notwendige und sinnvolle Wege zur Anpassung an die zu erwartenden klimatischen Veränderungen zu identifizieren und in die Umsetzung einzubeziehen, sollen weitere Maßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Hierzu zählt beispielsweise die Abkopplung von derzeit über die Kanalisation abgeleitetem Regenwasser der umliegenden Bebauung.

Rund 70.000 Euro für ein Maßnahmenkonzept zur Klimafolgenan-passung in Bottrop Im Rahmen eines „Maßnahmenkonzeptes zur Klimafolgenanpassung“ sollen die Inhalte und Ergebnisse der bereits bestehenden Klimaanalyse und Starkregengefahrenkarte miteinander verschnitten werden, um konkrete, individuelle Maßnahmen zu benennen sowie kartographisch darzustellen. Der Untersuchungsbereich umfasst das gesamte Stadtgebiet. Der Fokus liegt auf den zukünftigen Wärmeinselbereichen, die im Rahmen der Klimaanalyse identifiziert worden sind sowie auf den Bereichen, in denen sich laut Starkregengefahrenkarte Gefahrenstellen häufen.